Patthalung

Phattalung – noch nie davon gehört? Keine Sorge, uns ging es bis vor ziemlich genau einer Woche genauso. Im Prinzip landeten wir dort auch lediglich durch ein Verkettung von glücklichen Zufällen…aber beginnen wir doch von vorne.

Von Koh Lanta nach Bangkok
Nach Koh Lanta hieß unser nächstes Ziel Bangkok, um von dort weiter in den Norden Thailands zu reisen. Die einfachste und logischste Option dorthin wäre ein Flug vom nahe-gelegenen Krabi gewesen, doch dies hatte zwei Haken:
1. Wir möchten auf unserer Reise so oft es geht auf Flüge verzichten. Einerseits schlichtweg aus ökologischen Gründen, da kein Transportmittel so viele schädliche Emissionen erzeugt wie ein Flugzeug (wir sind mittlerweile gar nicht mehr so sicher ob Kreuzfahrtschiffe nicht noch schlimmer sind). Außerdem „überspringt“ man durch das Fliegen einfach so riesige Strecken und Gebiete, auf die man beispielsweise bei Bus- oder Zugfahrten zumindest aus dem Fenster einen raschen Blick werfen kann.
2. Krabi als Zwischenstation reizte uns so gar nicht: Zu touristisch, zu überlaufen und zu teuer!
Was war also die Alternative? Ein Nachtzug vom ca. 70 km entfernten Städtchen Trang nach Bangkok. Zudem lasen wir, dass Trang als Region noch herrlich un-touristisch sein sollte und wunderbare Küstenabschnitte sowie Wasserfälle bereithält. Unser Plan war also schnell gefasst: Ab nach Trang und dort ein paar schöne Tage verbringen. Danach dann mit dem Zug nach Bangkok!

Trang: „No rooms available“
Also buchten wir am Vorabend unserer Anreise wie so oft eine Übernachtung in der Stadt. Verlängern geht ja immer spontan – dachten wir! So fuhren wir frohen Mutes früh morgens von Koh Lanta mit dem Minivan an den Bahnhof von Trang und besorgten uns direkt die Zugtickets für zwei Tage später. Danach spazierten wir zum Hotel, warfen einen kurzen Blick in unser Zimmer, waren auf Anhieb zufrieden und gingen zur Rezeption um eine weitere Nacht anzuhängen.
Angekommen, sprang uns direkt ein rotes Schild in die Augen: „Next two days no rooms available“. Nun gut, fragen wir mal bei der netten Dame an der Rezeption nach ob sie nicht doch noch ein Zimmer für uns hat. Leider war hier definitv nichts mehr zu holen und man klärte uns auf, dass es wohl sehr schwierig werden würde überhaupt noch eine Unterkunft am nächsten Tag zu finden. Der Grund: Just in diesen zwei Tagen findet eine Art Schüleraustausch in Trang statt, während dem alle Schüler aus den umliegenden Gebieten nach Trang kommen und dort übernachten. Deshalb sind hier zu dieser Zeit alle Hotels ausgebucht.
Nun wurden wir schon etwas nervöser, zückten das Handy und schauten auf allen einschlägigen Buchungsseiten: Booking, Airbnb, Couchsurfing, Hostelworld, Tripadvisor und wie sie alle heißen…Für Trang gab es tatsächlich kein einziges verfügbares Zimmer mehr!
Wie ging es nun also weiter? Der Entschluss war schnell gefasst: Gepäck abstellen und persönlich von Unterkunft zu Unterkunft ziehen, irgendwo wird sich doch was finden! Und so begann eine etwa dreistündige Odyssee durch Trang. An jedem „Room for Rent“, „Guesthouse“ oder „Hostel“ Schild fragten wir nach und erhielten jedesmal die gleiche Antwort: „Sorry, fully booked“. Auch Reisebüros oder Tourist Informations konnten uns nicht weiterhelfen.

Auf der Suche nach Alternativen
Nun doch etwas panisch entdeckten wir auf Booking plötzlich doch etwas: Executive Suite in Trang, 80m, 150€ die Nacht. War es uns das wert? Nein definitiv nicht. Also erweiterten wir unseren Suchradius und fanden etwa 40km außerhalb ein Resort direkt an der Küste. Preis: 40€ die Nacht, 24 Stunden kostenlos stornierbar. Klar, deutlich über unserem Budget, aber hey, wir hätten definitiv eine Unterkunft und müssten uns nur noch um die Anreise kümmern. Also ein schneller Klick auf „Reservieren“ und die Sorgen waren erstmal dahin.
So verbrachten wir den restlichen Nachmittag in Trang mit dem Besuch eines lokalen Flohmarkts und genossen die ruhige und gelassene Atmosphäre der Stadt. Abends besuchten wir dann zwei lokale Nachtmärkte, schlemmten uns durch jegliches vegane Gericht das wir fanden und fielen nach einem langen Abend todmüde aber glücklich ins Bett.

Für jeden etwas dabei – der Nachtmarkt in Trang bietet wirklich eine riesige Auswahl an Leckerbissen in authentischer Atmosphäre

Am nächsten Morgen checkten wir früh aus und machten uns auf den Weg zum Bahnhof, da uns hier ein nettes Reisebüro am Vortag den Transport in unsere neue Unterkunft organisiert hatte: Mit einem lokalen Minibus sollte es für umgerechnet ca. 10€ an die Küste gehen. Angekommen dann ein neuer Rückschlag: Der Bus fährt erst bei mindestens 10 Passagiere los. Es war nun mittlerweile 12 Uhr mittags und wir beiden waren die einzigen Interessenten. Weder wir noch die freundlichen Reisebüro Mitarbeiter glaubten daran, dass das heute noch etwas wird. Die Alternative: Ein Privattaxi nur für uns, Kosten: 22€ hin und 22€ am Folgetag zurück. Mit dem Hotel für 40€ wären wir also auch hier bei fast 85€ für eine Nacht. Deutlich über unserem Budget!
Mittlerweile waren wir wirklich total genervt:

Das kann doch alles gar nicht sein! Wären wir bloß von Krabi geflogen oder hättend direkt für mehrere Nächte in Trang gebucht! Immer dieses spontane Buchen, das bringt nur Ärger!

Alles Gedanken die uns in diesem Moment in den Kopf schossen., die wir aber schnell wieder versuchten zu verdrängen. Schließlich brachten die uns auch nicht weiter.

Phattalung – Notlösung und reiner Glücksfall
Also erweiterten wir nochmals den Suchradius unserer Onlinerecherche und wurden auf eine kleine Nachbarstadt aufmerksam: Phattalung. Ca. 50 km östlich am Golf von Thailand gelegen gab es hier noch zig Unterkünfte. Und das für unglaublich niedrige Preise! Und das Beste: Mit einem lokalen Bus kostet die Anfahrt nur 1,50€ pro Person! Also zögerten wir nicht lange, stornierten unsere 40€ Unterkunft an der an der Küste Trangs und „gönnten“ uns nach all dem Stress ein 4 Sterne Hotel im Herzen Phattalungs für 25€.

Das Hotel „The Centris Hotel Phattalung“ bietet unglaublich preiswerte und schöne Zimmer mit Blick über die Stadt

Schon auf der Busfahrt staunten wir über die wunderschönen Felsformationen rings um die Stadt und hatten das Glück, dass der Fahrer uns sogar kostenlos die letzten 5 km von der Bus Station zu unserem Hotel chauffierte. Und auch dort waren wir begeistert von dem edlen Hotel, der bis dato wirklich luxuriösesten Unterkunft auf unserer Reise: Ein riesiges Zimmer mit großen Bad und Balkon mit Blick auf die Dächer Phattalungs und die umliegenden Felsen. Also duschten wir kurz und machten uns dann direkt auf den Weg zu einem Tempel, den wir bei der Anfahrt am Straßenrand bemerkt hatten. Und dort erwartete uns folgendes:


Ich denke die Bilder geben ganz gut wieder wie geflasht wir waren. Phattalung war eigentlich nur zweite Notlösung für uns, unsere Laune vor der Anreise war tatsächlich am Boden und nun bot sich uns dieser Anblick! Ein traumhafter Tempel zwischen Felsen und Palmen, die einzigen Menschen um uns herum die dort lebenden Mönche, totale Stille und absolut keine Touristen! Wir konnten unser Glück kaum fassen!

Der Vollständigkeit halber: Bei dem Tempel handelt es sich um den Wat Khuha Sawan Tempel aus der Ayutthaya Periode, er enthält mehrere Gebäude und Schreine sowie eine natürliche Tropfsteinhöhle mit unzähligen Buddha Statuen. Man kann zwei Viewpoints auf den umliegenden Felsen besuchen, die zahmen Hunde und Katzen der Mönche streicheln oder das Treiben der Affen in den Bäumen beobachten.

Wir blieben schließlich den kompletten Nachmittag hier.

Meeting Locals
Abend machten wir uns dann auf den Weg zum Nachtmarkt am lokalen Bahnhof und auch hier stellte sich Phattalung als echter Glücksgriff heraus: Neben einigen leckeren Naschereien trafen wir auf Phuthabut, der hier mit seiner Familie täglich Pad-Thai verkauft und ganz nebenbei Deutsch lernt. Wir waren wirklich erstaunt als er uns plötzlich mit einem einwandfreien „Wie geht es Ihnen?“ begrüßte und sich anschließend zu uns an den Tisch setzte und von seinem täglichen Leben in Phattalung berichtete. Dazu muss man bedenken, dass die Menschen hier zu 99% ausschließlich Thai sprechen, wir hatten schon Probleme mit Händen und Füßen nach veganen Gerichten zu fragen. Und da kommt plötzlich jemand um die Ecke mit dem du dich wie natürlich im entlegensten Winkel Thailands auf Deutsch unterhalten kannst. Mittlerweile war für uns klar: Besser hätte es die letzten zwei Tagen eigentlich nicht laufen können! 🙂

Mit Phuthabut hatten wir jede Menge Spaß

V.l.n.r.: Phattalungs leere Straßen bei Nacht; das thailändische Zeichen für vegan; leckeres Frühstücksbuffet in Phattalung

Auch nach diesem schönen Abend fielen wir wieder todmüde aber glücklich ins Bett uns machten uns am nächsten Tag auf den Weg zurück nach Trang, wo wir am Abend den Nachtzug nach Bangkok nahmen. Mit im Gepäck: Wunderbare Erinnerungen aus Phattalung, die Erkenntnis, dass alle Wendungen im Leben meist doch einen Sinn haben und an jedem noch so entlegenen Ort die schönsten Überraschungen auf dich warten können – du musst dich nur darauf einlassen und positiv denken!

Ende gut, alles gut: Eine glückliche Julia im Nachtzug nach Bangkok


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