Unsere erste Zugfahrt

Wir verließen Delhi mit großer Vorfreude. Unsere erste Zugfahrt im Schlafzug stand an, wenn auch nur für ein paar Stunden am späten Vormittag. Außerdem war unser nächstes Ziel die Stadt Agra, die wir natürlich wegen DEM Wahrzeichen Indiens besuchten: dem TAJ MAHAL.

Die Zugfahrt verlief ohne große Vorkommnisse und war ungewohnt entspannt und ruhig. Das hatte wahrscheinlich vor allem damit zu tun, dass wir uns vom Reiseführer unseres Hostels, der uns die Zugtickets gebucht hatte, dazu hatten überreden lassen, nicht die niedrigste Klasse (Sleeper Class) zu buchen, sondern die nächst höhere Klasse mit AC und einer etwas „gehobeneren“ Klientel. Wir sträubten uns zwar erst dagegen, da wir ja das „echte“ Indien kennenlernen wollten, aber als uns dann auch noch Priyata (unsere indische Freundin) dazu riet, stimmten wir schlussendlich zu. Schließlich gibt es in der Sleeper Class weder Fenster, Türen noch Bettzeug und wir wollten aufgrund von Julias noch andauernder Erkältung dann doch erst mal „leicht“ in unsere Zugerfahrungen in Indien zu starten.

Daniel genießt die Aussicht

Das Treiben im Zug

Julia hat Spaß bei der Fahrt

Hallo Agra

In Agra angekommen wurden wir direkt wieder von unzähligen Tuk Tuk Fahrern belagert, die uns „unbedingt und unglaublich günstig“ zu unserem Hostel bringen wollten. Dass wir bereits einen Pickup organisiert hatten, wollte uns mal wieder keiner glauben.

Nach einer anstrengenden Fahrt mit dem Tuk Tuk-Fahrer unseres Hostels (der Smog war in Agra leider nicht spürbar geringer als in Delhi) kamen wir im Rhine Hostel an, das wir uns für 7 Euro die Nacht gebucht hatten. Das Zimmer war ok, sehr klein, aber hatte ein eigenes Bad. Da dieses nach außen hin offen war und auch unser Zimmer oben zum Bad hin geöffnet war, würde es eine kalte Nacht werden, aber dazu später mehr.

Ersteinmal stellten wir unsere Sachen ab und ließen uns danach von dem Tuk Tuk-Fahrer dazu überreden, den Sonnenuntergang noch mit Blick auf das Taj Mahal vom gegenüberliegenenden Flußufer Mehtab Bagh zu genießen.

Also wieder rauf aufs Tuk Tuk, rein ins Verkehrschaos und den unglaublichen Gestank Agras. Und hier sahen wir nun zum ersten Mal das wirkliche Ausmaß des Elends in Indien: Hütten und provisorische Zelte im Schlamm und Dreck, bestialischer Gestank nach Fekalien und ein ohrenbetäubender Lärm durch die vielen Autos und TukTuks.

Heilfroh, endlich am Aussichtspunkt angekommen zu sein, wartete auf uns vor Ort eine weitere Überraschung: Wir mussten für den Aussichtspunkt Eintritt bezahlen. Natürlich hatte der Fahrer darüber kein Wort verloren. Naja. Nun waren wir da. Also zahlten wir leicht genervt die 600 Rupies (für Inder kostete das Ganze einen Bruchteil) und beeilten uns, um noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Aussichtspunkt zu sein.

Aber HALT!

Natürlich folgte auf den Eintritt direkt noch eine Sicherheitskontrolle, in der der gesamte Inhalt unseres Rucksacks inspiziert wurde.

An sich eine gute Sache – wenn uns nicht plötzlich offenbart worden wäre, dass Laptops und Stative NATÜRLICH streng verboten seien!

Wir schauten uns an und dachten uns:

„Das kann jetzt nicht wirklich wahr sein!“

Und jetzt?

Unser Fahrer, der das Ganze beobachtet hatte, bot sich bereitwillig an, unsere Wertsachen zu nehmen und auf sie aufzupassen. Trotzdem waren wir unentschlossen.

Sollten wir einem fast Fremden wirklich einen so wichtigen Teil unseres Reiseequipments anvertrauen? Nach einigem Diskutieren machte unser Fahrer uns ein Angebot: Er würde uns als Sicherheit seine Tourist ID Card geben, die er brauchte, um als Touristenführer tätig zu sein. Nach einigem weiterem Zögern willigten wir ein und hofften auf das Beste. Unser Fahrer verabschiedete sich mit den Worten: „Trust me, I will wait here for you my Friend.“

Also dann.

Wir machten uns auf den Weg zum Aussichtpunkt und versuchten währenddessen, das mulmige Gefühl zu vergessen und den Moment zu genießen. Und als wir es dann sahen, war das auch schon viel viel einfacher: Da war es: Das Taj Mahal, in das Licht der untergehenden Sonne getaucht. Es war wirklich wunderschön.

Das Taj Mahal von der gegenüberliegenden Seite des Yamuna Flusses

Julia genießt die letzten Sonnenstrahlen

Das Taj Mahal im Glanz der untergehenden Sonne

Wir machten ein paar Fotos, setzten uns, um die Aussicht zu genießen – und – wurden nach ca. 15 Minuten gebeten, den Platz bitte zu räumen, die Anlage schließe nun.

Wir konnten es nicht glauben!

ERNSTHAFT?

Wir blieben noch ein paar Minuten und taten so, als hätten wir die Anweisung nicht gehört. Doch als der Officer dann direkt vor uns stand und uns wild gestikulierend zum Gehen aufforderte mussten wir wohl oder übel den Platz räumen.

Genervt kamen wir am Tuk tuk an und waren heilfroh, dass unsere Laptops und Stative noch wohlbehalten beim Fahrer verweilten. Wir entschuldigten uns auch dafür skeptisch gewesen zu sein und erklärten ihm votrab eben viel Schlechtes über Indien gelesen zu haben. Seine passende Antwort darauf war: „No problem, but not all people are the same“ – Da hat der Gute wohl Recht gehabt!

Trotzdem hatten wir ein schlechtes Gewissen, da wir dem Mann nicht von Anfang an getraut hatten. Andererseits: würden wir das in Deutschland tun? Wahrscheinlich auch nicht.

Zurück im Hostel machten wir uns direkt auf die Suche nach einer Möglichkeit noch schnell etwas zu Essen. Gar nicht so einfach, denn in Indien lebt man (oder zumindest wir) ja unter ständiger Angst, sich irgendwo den Magen zu verderben. Nach ein paar Google Suchläufen hatten wir aber etwas gefunden und besuchten daraufhin ein Restaurant gleich um die Ecke. Komischerweise begrüßte uns im Erdgeschoss niemand und erst nach ein paar „hello?“ rufen, sahen wir, dass auf dem Rooftop einige Gäste saßen. Also einfach hoch und hingesetzt. Sowas passiert einem auch nur in Indien. 😀

Nach einem Thali und einem Dal fry gingen wir dann auch schon wieder zurück in unser Hostel.

Da wir am nächsten Tag früh aufstehen würden besorgten wir uns schnell noch ein paar extra Decken (im Zimmer war es richtig kalt) und fielen dann in unser laut knarzendes Bett.


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