Zurück in Deutschland!

Nachdem Julia euch im letzten Blogpost einen kurzen Einblick in Ihre aktuelle Gedankenwelt nach unserer Rückkehr gegeben hat bin ich nun an der Reihe.

Ich könnte erzählen wie sich die ersten Tage daheim anfühlten. Wie glücklich wir waren nach so langer Zeit unsere Freunde und Familie, unsere Katzen (!!!) und die eigene Wohnung wiederzusehen. Wie erschlagen wir von der Menge an Klamotten und anderen Besitztümern waren, die in unseren Umzugskartons im Keller von Julias Eltern schlummerten. Von den vielen kleinen schönen Dingen, die uns zuvor in Deutschland gar nicht aufgefallen waren oder die wir für selbstverständlich erachtet hatten. Und von neuen Ansichten, Schwerpunkten und Verhaltensmustern, die wir teils unbewusst, teils mit Nachdruck in unseren Alltag zu übernehmen versuchen.

Doch dieser Blogbeitrag soll einen anderen Schwerpunkt haben und ich gebe zu ich habe mir lange sehr schwer damit getan: Es geht um meinen Wiedereinsteig ins Berufsleben nach unseren acht Monaten auf Weltreise!

Dazu muss man wissen: Ich war in der glücklichen Lage auf ein Programm meines Arbeitsgebers zurückgreifen zu können, über welches ich vor unserer Reise auf einen gewissen Anteil meines Gehalts verzichtete und diesen dann während des Sabbaticals als monatliches Gehalt erhielt. Mein Arbeitsvertrag lief währenddessen ganz normal weiter und nun, nach unserer Heimkehr, kann ich in meinen alten Job auf der gleichen Position wieder einsteigen. So weit, so gut.

Nach zwei schönen Wochen bei Julias und meinen Eltern sowie dem problemlosen Wiederbezug unserer bis dahin untervermieteten Wohnung hieß es ab 01.08.2019 also wieder täglich „Business as usual“! Und genau davor hatte ich Angst!

Befürchtungen

Angst davor wieder genau in die alten Muster zu verfallen, aus denen wir durch unsere Weltreise auszubrechen versuchten. Abends so erledigt und wortwörtlich „geschafft“ zu sein, dass außer etwas Sport nicht mehr vom Tag bleibt als das typische „Netflix and Chill“. Und überhaupt, wie würde ich mit der Tatsache klar kommen nach acht Monaten totaler Freiheit und Flexibilität jeden Tag für neun Stunden an einen Ort und ganz bestimmte Tätigkeiten gebunden zu sein? Ich war mir unsicher.

Dazu kamen noch einige persönliche Befindlichkeiten: Als Person, die nicht wirklich gern im Mittelpunkt steht, graute es mir vor dem ersten Arbeitstag: Wie würde ich begrüßt werden, was soll ich überhaupt groß erzählen und was erwarten die Kollegen nach so einer langen Zeit? Da ich während der acht Monate bewusst auf Infos oder Neuigkeiten aus meinem Arbeitsumfeld verzichtete, mischten sich außerdem auch fachliche Fragen hinzu: Gibt es neue Prozesse, wie schlug sich meine Vertretung und weiß ich überhaupt noch was zu tun ist? Fragen über Fragen, die ich bis zum ersten Arbeitstag so gut es ging verdrängte, denn mir darüber den Kopf zu zerbrechen bringt ja auch nichts.

Der erste Tag

Am 01. August, es war ein Donnerstag, war es dann soweit. Die morgendliche Routine saß noch erstaunlich gut: Aufstehen, den Katzen Futter machen, Duschen, „Arbeitsklamotten“ anziehen (sprich Jeans + Poloshirt / Hemd, ziehe ich tatsächlich nur auf die Arbeit an), Frühstücken, Katzenklos leeren, Zähne putzen und dann 10 Minuten mit der Bahn zur Arbeit!

Beim Aussteigen stellte sich dann erstmals ein leicht flaues Magengefühl ein, nicht etwa aus Abneigung oder weil ich das ganze total schlimm fand. Eher aus Unsicherheit über das was da jetzt kommt.

Lustigerweise traf ich direkt am Bahnsteig eine Kollegin, die wohl gar nicht mitbekommen hatte, dass ich weg war. Nach einem kurzen „Hallo“ erhielt ich ein schnelles Update über die neusten baulichen Maßnahmen und dann ging es auch schon durch den Haupteingang zu meinem Arbeitsplatz. Den Weg dorthin hatten einige meiner Kollegen sicherheitshalber mit Pfeilen gekennzeichnet, denn nach so einer langen Zeit „weiß man ja nicht ob ich den Weg alleine noch finde“. Damit hätte ich echt nicht gerechnet!

Und so war beim ersten Treffen mit den Kollegen am Arbeitsplatz das Eis schnell gebrochen, ich gab ein kurzes Fazit zur Reise („war gut“) und war dann auch froh mich erstmal an meinen Schreibtisch zurückzuziehen und den Rechner starten zu können. Zu viel mehr kam ich an den ersten beiden Tagen ehrlicherweise aber auch nicht.

Denn viele Kollegen waren verständlicherweise neugierig auf meine Erfahrungen und Erlebnisse, sodass ich viel Zeit mit dem geduldigen Beantworten der teilweise immer gleichen Fragen verbrachte. Doch das tat mir gut, schließlich kam ich so nach und nach mit allen wieder in Kontakt ohne dass der Gesprächsstoff wirklich ausging und ich gewöhnte mich langsam wieder an die alte neue Umgebung und Menschen.

Alles in allem also ein entspannter Einstieg und nach zwei Tagen war dann auch plötzlich schon wieder Wochenende.

Der erste Monat und die ersten Probleme

In den nächsten Tagen und Wochen stieg ich dann nach und nach wieder richtig ein in die Arbeit. Es gab neue Probleme zu lösen, fachliche Zusammenhänge der letzten acht Monate nachzuvollziehen und auch der Terminkalender füllte sich so langsam wieder. Hallo Arbeitsalltag, lang nicht mehr gesehen!

Gerade in den ersten zwei Wochen fiel es mir schwer mich für Aufgaben zu motivieren, die mir nun völlig abstrakt vorkamen. Systemberechtigungen anlegen, monatliche Kontrollberichte prüfen oder unterschiedliche Softwaretests durchführen. Mich in diese für mein eigenes Leben völlig unerheblichen Dinge reinzudenken und mir den Kopf darüber zu zerbrechen kostete Überwindung. Auf der Weltreise hatte alles über das ich nachdachte und was ich tat direkte Auswirkungen auf mein Leben: Welchen Bus nehmen wir? Wo gehen wir essen? Wo schlafen wir? Ich wusste wofür ich es tat. Das war nun anders.

Natürlich hat auch zumindest das meiste im Büro seine Berechtigung, doch entscheide nun eben nicht mehr ich selbst darüber was genau ich tagsüber so treibe, sondern die aktuellen Problemstellungen auf der Arbeit. Und versteht mich hier bitte nicht falsch: Ich weiß die relativ große Freiheit in meinem Job zu schätzen, kann mir die Arbeit über den Tag frei einteilen und im Rahmen der Vertrauensarbeitszeit praktisch kommen und gehen wann ich möchte. Nur: Die Arbeit muss erledigt werden. Und genau mit dieser Art der Fremdbestimmung und Fernsteuerung hatte ich so meine Schwierigkeiten.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nun, nach 4 Wochen zurück im Büro, hat dieses Gefühl wieder etwas nachgelassen. Das mag natürlich auch an der zurückkehrenden Routine liegen und ob das gut oder schlecht ist kann ich ehrlichgesagt noch nicht abschließend beurteilen. Es gibt sie dann eben einfach doch, die guten und auch die schlechten Tage.

Was mir aber auffällt: Fast jeden Morgen fühle ich mich ein wenig mehr wie Bill Murray, der im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ein und denselben Tag immer und immer wieder durchleben muss. Das Aufwachen zum monotonen Klingelton, die immer gleiche Morgenroutine, die selbe Fahrt zur Arbeit…all das kommt euch bekannt vor? Mir auch!

Was Julia und ich daraus gelernt haben ist, dass wir die Zeit, die wir zur freien Verfügung haben effektiver und vor allem bewusster nutzen möchten. Wir versuchen Abwechslung in den ansonsten immer gleichen Alltag zu bringen, unsere Abende aktiv zu gestalten und vor allem einen Ausgleich zur Arbeit zu suchen. Das klappt ehrlicherweise nicht immer, aber immer öfter. Und wir bleiben am Ball und halten euch natürlich auch hier auf dem Laufenden.

Was ich sonst alles in den ersten vier Wochen zurück im Arbeitsleben gelernt habe und welche Tipps euch den Wiedereinstieg erheblich erleichtern können versuche ich in einem separaten Blogpost mal zusammenzufassen. Solltet ihr bereits Erfahrungen gesammelt haben freue ich mich natürlich über eure Anregungen!

PS: Im Film durchbricht Bill Murray die Zeitschleife übrigens indem er sein Glück außerhalb der Arbeit findet, seinen Horizont durch neue Hobbies erweitert und Werte wie Liebe, Empathie und Selbstlosigkeit zu schätzen lernt. Eine Botschaft, die wahrscheinlich selten aktueller war als heute!


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