1 Monat Rentner sein.

Rente.

Wenn ich das Wort ausspreche, schwingt da irgendwie immer ein kleines Fünkchen Nostalgie mit. Ein bisschen Sehnsucht. Eine idealisierende Stimme die sagt: Hach, wie schön wäre das…

Irgendwie ist das Wort Rente in unserer Gesellschaft positiv belegt. Klar, irgendwie bedeutet es auch „alt sein“ in manchen Köpfen evtl. sogar „uralt sein“(es kommt immer auf das Alter des Betrachters an) aber im Großen und Ganzen habe ich das Wort immer als etwas positives, als etwas erstrebenswertes angesehen.

Und nein, dieser Blogeintrag wird nicht darum gehen, dass Rente absolut schlimm und unerstrebenswert ist, NEIN!

Denn wie könnte ich auch… etwas beurteilen, was mir noch nicht zuteil wurde?

Naaaaja….

Wie ihr wisst sind Daniel und ich seit einiger Zeit wieder im „good old germany“. Genauer gesagt ist es heute auf den Tag genau ein Monat.

Die ersten Tage waren aufregend. Durchgeplant. Voller Aktion.

Familie und Freunde wiedersehen, die neue-alte Wohnung wieder beziehen, zwischen Eltern und Zuhause hin und her pendeln.

Aber mit dem neuen Monat kam auch wieder etwas mehr Ruhe in unseren Alltag: Daniel ging wieder Arbeiten und auch dort waren (so habe ich es zumindest verstanden) nur die ersten Tage wirklich „aufregend“.

„Der Alltag hat uns wieder!“

NEIN. Diese Worte will ich so nicht stehen lassen. Für mich begann am 01.08. nämlich meine Auszeit. Meine Rente, wie ich es heute nennen würde.

1 Monat frei.

Das klingt toll. Das ist auch toll. Aber irgendwie dann auch nicht.

Ihr seid verwirrt? GUT! Denn das war und bin ich auch.

Die ersten Tage waren super! Ich machte was ich wollte, besuchte meine Eltern (übrigens beide RICHTIGE RENTNER) stöberte in Kisten und hatte Spaß daran, Dinge auszusortieren. Ich schaute mittags einfach mal meine Serie auf Netflix und schaffte es trotz „Urlaub“ immer morgens früh aufzustehen. Meine Motivation zu Kochen und zu Backen war riesig – kurz – ich genoss das Alleinsein und vor allem das Zuhause-Sein in vollen Zügen!

Doch dann kam es:

Ein komisches Gefühl. Die Wochentage waren irgendwie etwas leer, ungeplant. Ich hatte massig Zeit und doch irgendwie keine.

Mein Vater pflegt häufig zu sagen: „Irgendwie komm ich zu nix!“
Ich war immer verwundert, hatte er doch als Rentner alle Zeit der Welt!!

Aber jetzt, ja jetzt verstehe ich. Nach einem Monat Rente ist mir einiges klar:

Mehr Zeit heißt nicht unbedingt glücklicher sein. Mehr Zeit kann einen unstrukturierter werden lassen. Oft weiß ich am Abend nicht mehr was ich am Tag jetzt so alles gemacht habe. Erst nach längerem Überlegen kommt es mir: Achja, beim Arbeitsamt angerufen (und das zum 7. Mal!), Kisten aus dem Keller geholt und eine Kiste zum Verschenken auf die Straße gestellt. Einkaufen gewesen und Meal-Prep für die kommenden Tage gemacht. Ja, wenn ich so drüber nachdenke habe ich doch eingiges erledigt!
Und trotzdem – am Ende des Tages kommt es mir nicht so vor.

Leere…

…vielleicht beschreibe ich so am besten das Gefühl, das ich in letzter Zeit manchmal habe, wenn ich aufstehe. Was bringt der Tag? Was will ich machen?

Ich bin völlig frei und genau das beschert mir in dem Moment dieses Gefühl.

Ich bin daran nicht mehr gewöhnt! Fast 8 Monate lang hatten wir jeden Tag etwas vor. Selbst wenn wir „nur“ einen gechillten Tag gemacht haben, haben wir doch in einem neuen Supermarkt eingekauft, sind über uns unbekannte Straßen gelaufen und haben tagtäglich neue Erfahrungen gemacht.

Auch wenn wir auch auf Reisen keinen „festen Zeitplan“ hatten – wir hatten immer etwas zutun. Ob es uns gepasst hat oder nicht.

Und jetzt?

Komplette Stille.

Freiheit die mich einengt.

Und die mich verstehen lässt, warum manche sich ewig auf die Rente freuen und dann, wenn sie da ist, doch irgendwie unglücklich sind. Unverstanden.

Ich weiß nicht, was das Fazit dieses Beitrags sein soll. Denn ich habe noch kein wirkliches Fazit gezogen. Vielleicht kann ich das, wenn ich wieder im „Alltag“ stehe. Mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Denn seien wir mal ehrlich: Ich hab es gut hier in Deutschland. Ich hab alle Möglichkeiten. Ich kann mich darauf verlassen, dass ich ab September wieder einen Job habe. Und ich habe die Freiheit, meine Lebensart jederzeit zu ändern.

Aber erstmal muss ich ankommen. Komplett. Und die Zeit nach der Rente wird bestimmt ein neues Abenteuer!


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