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Wie man 762 Kurven nach Pai überlebt

Pai – von Anfang an war diese kleine Stadt im Norden Thailands ein Ziel, das wir unbedingt ansteuern wollten. Vor allem auf Instagram hatten wir nur gutes gehört und waren daher ganz wild darauf, dort ein paar Nächte (oder auch ein paar mehr) zu verbringen. Unser Bild: ein kleines, gemütliches Städtchen mit netten Cafés und toller Umgebung. Warum sich das nicht zu 100% bewahrheitete könnt ihr in den entsprechenden Posts bei Instagram nachlesen. Aber erst mal hieß es für uns: Informieren, wie wir von unserer derzeitigen Station Chiang Mai weiter nach Pai kommen würden.

Nach einiger Recherche stand fest: wir hatten nur vier (oder eher zwei) Optionen:

  1. Fliegen
    Für uns eigentlich keine wirkliche Option, da erstens zu teuer und zweitens widerstrebt es uns, für so kurze Strecken einen Flieger zu nehmen und die Umwelt unnötig zu belasten!
  2. Einen Roller mieten und selbst fahren.
    An sich die coolste und vor allem billigste Option. Über einen Service von AYA(Details unter „Rental Agreement“) kann man sich nämlich sein Gepäck nach Pai transportieren lassen und hat dann während der Fahrt auf dem Roller nur den kleinen Daypack mit Wasser und seiner Driver Licence dabei! 🙂 Da Daniel jedoch auf Koh Lanta das erste Mal Roller gefahren war und Julia sich noch gar nicht dran getraut hatte, waren uns die 130 km um 762 Kurven nach Pai doch zu viel. JA, 762 Kurven, ihr habt richtig gelesen.
  3. Einen Minivan.
    Beim Lesen der Berichte über die Fahrt dorthin stellten sich bei Julia alle Nackenhaare auf. Vereinzelt wurde in den Foren sogar von „Kotzbulli-Fahrten“ gesprochen und es hörte sich tatsächlich so an, als sei das Übergeben an Board eines viel zu vollen Minivans eigentlich schon vorprogrammiert. Für Julia der absolute Horror, da sie sowieso schon des öfteren mit Reiseübelkeit zu kämpfen hatte (vor allem auf Schiffen).
  4. Die vierte Option, auf die wir am Anfang unserer Recherche noch gehofft hatten, war ein größerer, lokaler Bus, der statt 3 Stunden zwar 5 braucht, aber dafür geschmeidiger um die Kurven fahren sollte. Leider stellte sich heraus: der Bus fährt nicht mehr. Anscheinend wurde dieser Service eingestellt, da die Busse einfach nicht für die Strecke gemacht waren. Und ja, wir waren für diese Info sogar direkt am Busbahnhof.

Alles in Allem war also die einzige Option in den sauren Apfel zu beißen und die Strecke nach Pai im Minivan hinter uns zu bringen.

Und erstaunlicherweise können wir sagen: DAS HAT SUPER GEKLAPPT!

Falls ihr also gerade mit dem Gedanken spielt, auch einen Minivan nach Pai zu nehmen: Hier ist er: Der Guide wie ihr es ohne Kotzerei dort hin schafft!

Vorkehrungen und Regeln vor der Abfahrt

Ein leichtes Essen vor der Abfahrt

Schon im Voraus solltet ihr einige Vorkehrungen treffen, wenn ihr vor habt, mit dem Mini-van nach Pai zu reisen:

  1. Wenn ihr noch viel Zeit vor eurem Trip nach Pai habt: Sport fördert das Gleichgewichtsorgan und genau das ist unheimlich wichtig, wenn es um langfristige Bekämpfung der Reiseübelkeit geht. Also: Sport treiben, Gleichgewichtssinn trainieren und nebenbei noch etwas für die körperliche Fitness tun!
  2. Letzte Mahlzeit vor der Abreise:
    Auch daran solltet ihr evtl. einen kleinen Gedanken verschwenden. Esst am besten leichtverdauliche Kost (viel Gemüse, helles Brot, weißer Reis) und wenig „schwere“ Sachen wie Fleisch, Sahne oder zu viel Fett. Außerdem solltet ihr euch nicht „vollfressen“. Gar nicht essen ist aber auch keine gute Idee, ein gesundes Mittelmaß war daher unsere Lösung.
  3. Bucht euch eine Unterkunft für die erste Nacht in Pai. Dann habt ihr im Ernstfall direkt einen Anlaufpunkt und müsst nicht noch auf Unterkunfts-Suche gehen, wenn es euch sowieso schon nicht gut geht.

Besorgungen

Ein Must-Have für mich!

Vor der Reise nach Pai solltet ihr ein paar Sachen auf jeden Fall griffbereit in eurem Handgepäck verstauen:

  1. Reisetabletten: Wir sind absolute Gegner der „Chemiebombe“, dennoch sollte man unserer Meinung nach für einen Notfall gerüstet sein. Also packt auf jeden Fall eine Reisetablette gegen Reiseübelkeit mit ein: Wir haben diese Kaugummis von Superpep und außerdem diese Pflaster von Scopoderm (verschreibungspflichtig). Sicher ist sicher.
  2. Ingwer: Ingwer ist unser natürlicher heiliger Gral, wenn es um Bekämpfung von Übelkeit geht: Kauft euch am besten eine fingergroße Knolle (bekommt ihr in Thailand im Notfall in jedem Restaurant für ein paar Baht) und packt euch euer Taschenmesser dazu. Bereits vor der Abfahrt könnt ihr den Ingwer z.B. als Tee trinken. Auf der Fahrt empfehle ich euch, ihn direkt im Mund zu kauen. Für wen das nicht geht (es soll ja Menschen geben, die mögen den Geschmack nicht) – es gibt anscheinend auch Tabletten mit Ingwer oder aber auch Lutschbonbons.
  3. Kotztüte: Ja wir wissen – kein schönes Gefühl sowas schon im Voraus einzupacken, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass es einfach besser ist, gut vorbereitet zu sein. Im Notfall ist die Tüte schnell draußen und wenn man sie doch nicht braucht hat man zumindest ein sicheres Gefühl, dass alles vorbereitet ist 😉 Außerdem ist das doch mal eine sinnvolle Wiederverwendung der vielen vielen Plastiktüten, die ihr hier in Asien leider an jeder Ecke mitbekommt.
  4. Etwas zum Überziehen. Einfach weil es nervig ist, wenn einem zusätzlich zur Angst vor der Übelkeit noch zu heiß oder kalt ist.

Buchung Tickets

Was die Tickets angeht: Theoretisch könnt ihr eure Tickets am Tag der Abreise buchen. Wir haben das auch so gemacht und hatten Glück, dennoch unsere präferierten Sitzplätze zu bekommen. Dennoch würden wir euch empfehlen:

  1. Bucht die Tickets einige Tage vorher. Dafür geht ihr einfach an die Busstation in Chiang Mai zu der Company namens Prempracha und nennt das Datum, an dem ihr abreisen wollt.
  2. Reserviert euch Plätze WEIT VORNE. Julia hat bspw. bei beiden Buchungen darauf bestanden, direkt vorne neben dem Fahrer zu sitzen (Platz 1A). Für Reiseübelkeits-Geplagte ist das der perfekte Platz: Viel Beinfreiheit, freie Sicht nach vorne und zur Seite, Airconditioner direkt vor einem (mir war es fast zu kalt). Sagt einfach bei der Buchung klar und deutlich dass ihr auf jeden Fall diesen Platz haben wollt und seid am besten dafür bei der Abfahrtszeit etwas flexibel. Daniel hat übrigens bei der Hinfahrt den Platz direkt hinter Julia genommen (Platz 2a, was sich allerdings in Punkto Beinfreiheit als Fehlentscheidung herausstellte). Bei der Rückfahrt hat er sich dann für den Platz eins weiter hinten entscheiden (3A?), da er dort keinen direkten Vordermann hatte.
  3. Bei der Flexibilität der Abfahrtszeit (und dementsprechend auch Ankunftszeit) solltet ihr eine Ausnahme machen: Bucht euch die Fahrt so, dass ihr danach direkt in euer Hotel einchecken könnt. Warum? Falls euch doch übel wird, könnt ihr so auf direktem Weg ins Zimmer und habt keinen Stress, noch Zeit totschlagen zu müssen.

Während der Fahrt

Auch auf Schiffen eine gute Idee: Aus dem Fenster schauen!

  1. Schaut aus dem Fenster! Euch wird nämlich eigentlich nur dann schlecht, wenn euer Gehirn die Bewegungen eures Körpers bzw. die Signale eures Gleichgewichtsorgans nicht mehr mit euren visuellen Eindrücken zusammenbekommt, sprich, wenn der Horizont zur Orientierung fehlt. Daher entweder brav auf die Straße schauen oder die Augen schließen. So seid ihr auch immer auf die nächste Kurve vorbereitet. Absolutes NO GO: Lesen, Handy gucken, oder allgemein sich auf den Innenraum des Minivan konzentrieren: Hier tritt nämlich genau das ein, was ihr vermeiden wollt: Eure Augen sehen ein stilles Bild und euer Gleichgewichtssinn sagt euch: HÄ? Also meiner Meinung nach bewegt sich die Erde gerade ganz gewaltig. Die Folge davon: Euch wird schlecht. Zumindest, wenn ihr anfällig für Reiseübelkeit seid.
  2. Kaut fleißig Ingwer. Wie gesagt, wir schwören mittlerweile drauf. Ob das Ganze mehr auf einem Placebo-Effekt beruht oder ob der Ingwer wirklich medizinisch hilft – Hauptsache euch wird nicht übel!
  3. Macht euch nicht verrückt! Dieser Tipp ist wahrscheinlich der wichtigste und leider auch der, den man am schwierigsten umsetzen kann, wenn man schon schlechte Erfahrungen auf Reisen gemacht hat. Ich versuche es trotzdem immer: Tief durchatmen, sich selbst sagen das wird schon alles und an die Kraft des Ingwer glauben. 😉 Und außerdem: Selbst WENN euch schlecht wird, auch das geht vorbei.
  4. Falls ihr erste Anzeichen von Übelkeit verspürt: Zögert nicht lange und nehmt eine Tablette. Wenn es nicht anders geht dann sind die doch wirklich die verlässlichste Option. Mir haben die oben genannten Kaugummis von Superpep immer super geholfen, weil man da quasi ausgenockt wird und wie ein Stein schläft. Allerdings behaltet immer im Hinterkopf: Jedes Medikament kann Nebenwirkungen haben!
  5. Nutzt die Pause, um „frische“ Luft zu tanken! Ja, ich weiß, das ist hier in Asien an vielbefahrenen Straßen gar nicht mal so einfach, aber versucht einfach ein bisschen Abstand von den Abgasen zu bekommen und atmet mehrmals tief durch. Das beruhigt nicht nur den Körper sondern auch den Geist. 🙂

Alles in Allem kann man natürlich nie vorhersagen wie eine turbulente Fahrt auf einen wirkt. Dennoch denke ich, dass ihr mit den oben genannten Vorkehrungen und Tipps eine gute Chance auf ein beschwerdefreies Reisen NACH und eine freudige Ankunft IN Pai haben werdet!

Natürlich könnt ihr die Tipps auch auf jede andere Situation anwenden, in der euch Reiseübelkeit droht.

In dem Sinne: Keep calm and chew some Ginger!


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